Liquid design

Icon Liquid Design „Liquid”, oder auch „fluid design” bedeutet „flüssiges” Design und steht im Gegensatz zu einem „festen” oder „frozen” Design. Die Unterschiede liegen hier besonders in der Anpassungsfähigkeit der Webseite auf die Benutzereinstellungen.
Im Gegensatz zu Printmedien kann man im Webdesign nicht von vorgegebenen Maßen ausgehen. Bei einem Zeitschriftenentwurf sind die Maße des Papiers ebenso unverrückbar vorgegeben, wie zum Beispiel die Schrifttype und die Schriftgröße.
Betrachtet man aber eine Webseite im Browser, so hat der Benutzer eine ganze Reihe von Parametern, die entweder hardwareabhängig vorgegeben sind, oder nach persönlichen Vorlieben angepasst werden können.

Dimension des Sichtfeldes

Der Browser ist üblicherweise eine Fensteranwendung, so dass die effektive Fläche, die zur Anzeige der Webseite zur Verfügung steht, das Sichtfeld, sehr stark variiert.
Entgegen der oft geäußerten Ansicht hat das Sichtfeld rein gar nichts mit der Bildschirmauflösung zu tun. Es ist daher völlig nebensächlich, ob eine Bildschirmauflösung von 600*480, 800*600, 1024*768 Pixel, oder irgendeine andere vorliegt. Das einzige was diese Zahl angibt ist, dass das Sichtfeld nicht größer werden kann. Mehr nicht!

Ob der Browser im Vollbildmodus läuft, oder als Fenster zusammen geschoben in einer Ecke platziert wurde, ist eine Entscheidung des Benutzers, und sollte es auch bleiben.
Daraus ergibt sich ein wesentlicher Nachteil eines fest vorgegebenen, starren Layouts, wie man in diesem Beispiel sehen kann. Wird das Browserfenster schmaler, dann erscheint die horizontale Bildlaufleiste und der Text verschwindet aus dem Sichtfeld. Somit wird der Benutzer gezwungen, entweder die Seite beim Lesen jeder Zeile horizontal zu verschieben, oder sein Browserfenster auf das vorgegebene Maß zu verbreitern.
Für mein Empfinden ist das eine genauso eindeutige Aufforderung, die Webseite zu verlassen, wie der Versuch direkt (zum Beispiel mittels JavaScript) Einfluss auf die Größe des Browserfensters zu nehmen.

Das „liquid design” passt sich dagegen an das Browserfenster an, wie Wasser an das umgebende Glas. Wie in diesem Beispiel zu erkennen, wächst oder schrumpft die Breite der Seite mit der Fensterbreite, da die Breite als prozentualer Wert des Sichtfeldes definiert wurde. Dadurch bleibt der Text auch ohne horizontales Verschieben lesbar. TOP

Skalierung der Schriftgröße

Ein weiterer sehr wichtiger Aspekt für die Benutzerfreundlichkeit ist die Möglichkeit, die Schriftgröße anzupassen.
Menschen mit Sehschwäche werden die Schrift sicher gerne größer darstellen, als Normalsichtige. Daher ist auch dies ein Parameter, der nur vom Benutzer festgelegt werden sollte. Als Webseitenanbieter sollte man lediglich empfehlende Vorgaben machen. Also wären hier Angaben in Pixel oder Pica zu vermeiden, um auch den Benutzern des IE die Möglichkeit der Schriftgrößeneinstellung nicht vorzuenthalten. Andere Browser lassen sich durch eine Schriftgrößenangabe in Pixel oder Pica erst gar nicht vom Skalieren abhalten.
Eine Angabe der Schriftgröße in % oder em ist deutlich flexibler und zugänglicher. Die Maßeinheit em orientiert sich an den Dimensionen des Buchstaben M der jeweiligen Schriftart, und ist also auch von deren Größenskalierung abhängig.
Günstig ist diese Maßeinheit somit auch für gestalterische Elemente, deren Größe vom enthaltenen Text abhängen soll. Eine Navigationsliste wäre dafür ein mögliches Beispiel.
Die beiden Textboxen auf der vorherigen Beispielseite zeigen, wenn man die Schriftgröße verändert, dieses unterschiedliche Verhalten. Probieren Sie es aus. TOP

Herausforderung

Die Anforderung an eine Webseite sollte lauten, möglicht einfach zugänglich zu sein, und den Benutzer nicht zu bevormunden, sondern ihn im Gegenteil zu ermuntern und einzuladen die Seite für ihn optimal ein- und darzustellen.
Dazu muss man sich allerdings von der Idee frei machen, ein punktgenaues Design vorzugeben, dass auf allen Browsern identisch wiedergegeben wird. Tatsächlich gestaltet Webdesign kein Blatt Papier mit starren Maßen, sondern entwirft ein Layout auf einer Art Gummifolie, an der der Benutzer hin und her zerren kann.

Die besondere Herausforderung liegt nun darin, diesem flexiblen Bereich eine Gestalt zu geben, die ebenso flexibel ist, aber dennoch konstant das gewünschte Erscheinungsbild der Seite vermittelt.

Dieser Aufgabe gerecht zu werden ist sicherlich nicht einfach, da man insbesondere für gestalterische Elemente wie zum Beispiel Grafiken Lösungen entwickeln muss, um entsprechende Größenveränderungen abzufangen. Aber gerade diese Herausforderung anzunehmen und zu meistern, kann auch die Attraktivität dieses Konzeptes für den Gestalter ausmachen.
Fairerweise muss man einräumen, dass eine absolut „liquid” gestaltete Seite auch Nachteile haben kann und nur sehr schwer ohne Kompromisse umzusetzen ist. Dennoch sollte die Seite möglichst flexibel sein und den Besucher in seinen Vorlieben so wenig wie möglich einengen.
Kurz gesagt: so starr wie unbedingt nötig und so flexibel wie irgend möglich.

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